Der scheidende Coach blickt zurück

Liebe Zebras,

heute endet nicht nur meine Tätigkeit beim FC Hambergen, sondern nach 32 Jahren auch meine Fußballzeit (so fühlt es sich zumindest an, auch wenn ich weiterhin ab und zu für unsere Alte Herren kicken werde). Schon bevor ich 1985 als 5jähriger bei der JSG Bokel/Langenfelde/Stubben mit dem Kicken begonnen habe, war der Fußball mein Ein und Alles, dem ich seit dem sehr sehr viel untergeordnet habe.

Ich hatte eine geile Fußball-Zeit – mit so vielen schönen Momenten, Siegen, besonderen Erlebnissen, Triumpfen, aber auch empfindlichen Niederlagen und bitteren Momenten. Im Jugendbereich spielte ich ausschließlich für den MTV Bokel bzw. die entsprechenden JSG´ s (Bo./La./Stu. und ab der C-Jugend JSG Biber) – davon nur im zweiten B-Jugend-Jahr auf Bezirks-, ansonsten ausschließlich auf Kreisebene. Im zweiten A-Jugend-Jahr durfte ich in der Rückrunde zudem parallel schon in der I. Herren des MTV Bokel unter Trainer Volker Schmidt in der Bezirksklasse mitwirken.

Für meine erste richtige Herren-Saison wechselte ich im Sommer 1998 zum SV BW Bornreihe – damals frischgebackener Aufsteiger in die Landesliga Lüneburg. Nachdem ich beim ersten Bezirkspokalspiel in Oyten doppelt traf, markierte ich beim 7:0-Erfolg in der nächsten Runde (in Hambergen) sogar vier Treffer. Eine Woche später bei meinem ersten Landesliga-Spiel konnte ich beim VfL Visselhövedeeinen Dreierpack beisteuern. Ein überragender Auftakt, eine unfassbare Saison, eine unglaubliche Reise. Dazu hatte ich mit Carsten Huning (mein prägendster Herren-Coach) einen Trainer, der mich ganz behutsam an den Herrenbereich heranführte. Am Ende der Spielzeit standen für mich 17 Liga-Tore und für das Team der Meistertitel sowie der Aufstieg in die Niedersachsenliga zu Buche.

Dies machte sogar die Amateure von Werder Bremen und deren damaligen Trainer Thomas Schaaf auf mich aufmerksam. Nach einer Probetrainings-Woche boten sie mir einen Zweijahresvertrag an. Die Zeit bei Werder war unter der Woche mit 5 Trainingseinheiten der absolute Wahnsinn. Allerdings waren die Wochenenden oft auch hart, da ich zwar in der ersten Saison fast immer im Regionalliga-Kader stand, aber nur ein einziges Mal für 10 Minuten eingewechselt wurde. Und obwohl das zweite Jahr bei den Amateuren für mich schon im Oktober endete (danach Werder Amateure II) war es insgesamt eine einmalige Zeit, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Überhaupt bei Werder – meinem Lieblingsverein – gespielt  und unter Profibedingungen mit so vielen so guten Fußballern (z.B. Tim Borowski, Uwe Harttgen, Alexander Nouri, Björn Schierenbeck und Markus Krösche) in einem Team trainiert zu haben, machen die Zeit für mich unvergesslich. Dazu gibt es unzählige Geschichten und besondere Erlebnisse, die zumindest in der Rückschau besondere Erfahrungen waren. So bin ich einmal mit dem Team der Nachwuchsrunde – einem Mix aus Profis und Amateuren – zu einem Auswärtsspiel nach Odense gefahren – über 5 Stunden Hin- und über 5 Stunden Rückfahrt. Einsatzzeit: 0 Minuten. Oder der Laktattest zusammen mit den Profis, als uns Dieter Eilts beim Auslaufteil (!) zurückpfiff, dass die Amateurspieler doch gefälligst hinter den Profis zu laufen hätten. Auch in der zweiten Amateurmannschaft hatten wir eine super Truppe zusammen (u.a. mit Jan Meyerdierks) und mit Rolf Behrens einen Trainer, der das Kicken liebte.

Nach meiner Rückkehr nach Bornreihe schnitten wir in den sieben folgenden Jahren nie schlechter als Platz 3 der Landesliga ab. Legendär ist die 1:6 Niederlage 2003 im Relegationsspiel zum Aufstieg in die Niedersachsenliga gegen Sparta Göttingen in Unterlüß sowie die anschließende „Nichtaufstiegsfeier“. In der Folgesaison starteten wir mit 8 Punkten aus 10 Spielen. Nach dem Trainerwechsel (Carsten Huning ersetzte Klaus Gelsdorf) vollbrachten wir eine überragende Aufholjagd, führten zwei Spieltage vor Schluss sogar die Tabelle an und brachten uns dann durch ein Remis in Köhlen um den Titel und den Aufstieg. In der Spielzeit 2004/05 verpassten wir als 3. den Aufstieg nur um 1 Punkt. Aber ein Jahr später war es endlich so weit. Meister der Landesliga Lüneburg. Den entscheidenden Schritt zum Aufstieg machten wir mit einem 3:1 Sieg bei Eintracht Lüneburg – mein Tor zur 1:0 Führung (Linksschuss vom 16er genau in den Winkel) war ein ganz besonderer Moment der Saison und meiner Bornreiher Zeit überhaupt. Genauso wie der 2:1 Derby-Sieg gegen den VSK Osterholz-Scharmbeck in der Saison 2002/2003 vor 1.700 Zuschauern (am Ende in doppelter Unterzahl). Oder die beiden Spiele gegen Werder Bremen, insbesondere natürlich mein Tor im 2005er Spiel mit anschließendem Interview durch Jens-Uwe Krause in der Bremen-4-Sendung der „Dicke und der Dünne“. Der Kern des Teams („Die Goldene Generation“) blieb über die gesamte Zeit zusammen und so ist diese Bornreihe-Phase aus meiner Spielersicht DIE Fußball-Zeit überhaupt gewesen.

In den beiden darauffolgenden Jahren belegten wir jeweils sensationell den 5. Platz in der Niedersachsenliga Ost. Danach hatte ich das Gefühl eine neue Herausforderung suchen zu müssen. Ich fand sie bei meinem Heimatverein in Bokel. Neben der Tätigkeit als Spielertrainer war es besonders reizvoll nach der F-Jugend wieder mit meinem Bruder Matthias in einer Mannschaft zu spielen. Allein deshalb war es der richtige Schritt. Wir belegten in zwei schwierigen Jahren den 4. und 7. Platz der Bezirksliga 4. Ein besonderes Highlight aus Spielersicht war mein erster und einziger Pflichtspiel-Fünfer-Pack beim 6:1 Heimsieg gegen den TuS Harsefeld im Mai 2010. Ich hatte in Bokel mit und vor allem wegen meiner Mannschaft zwei wunderschöne Jahre in Bokel.

Im Sommer 2010 ließ ich mich auf das Abenteuer OSC Bremerhaven ein, der den Aufstieg in die Regionalliga verwirklichen wollte. Kurzum: es passte sportlich nicht so richtig zueinander. Trotzdem war es eine extreme Bereicherung und tolle Erfahrung unter Sasa Pinter trainiert zu haben. Wir gingen im sehr Guten bereits im Winter wieder auseinander und mein Weg führte mich ein drittes Mal nach Bornreihe. Ich konnte in der Rückrunde noch meinen Teil zur Vizemeisterschaft in der Landesliga beitragen und war für die neue Saison hochmotiviert. Aber auch hier sollte es dann sportlich mit dem neuen Trainer nicht passen, so dass für mich schon Ende Oktober feststand, dass ich den Verein in der Winterpause erneut verlassen werde.

Als ich dann im Januar 2012 zum FC Hambergen kam, kannte ich eigentlich nur „Opi“ Konoppa, Torsten Plewa und Jens Jacobs. Das Team stand mit 10 Punkten (und 10 Punkten Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze) auf dem vorletzten Platz. Tatsächlich dachte ich zu Beginn noch „Vielleicht ist ja noch was möglich“. Zwar verflog dieser Gedanke schlagartig mit dem ersten Spiel (0:9 in Ahlerstedt), dennoch fühlte ich mich hier von Beginn an wohl. Nach einer weiteren heftigen Packung bei Teutonia Uelzen (1:8) stellte Gero Thiel am 17.04.2012 sein Traineramt zur Verfügung. Uwe Müller, Werner Barkowski und Heino Mahnken fragten mich, ob ich das Training bis auf Weiteres leiten würde. Gleich im ersten Spiel konnten wir in einem überragenden Fußballspiel den FC Hagen/Uthlede mit 5:2 schlagen (alle Tore nach der 70. Minute, fünf davon nach der 80.) Auch wenn es nur noch zu einem weiteren Remis bei Eintracht Lüneburg (mit Andreas Züge im Tor) reichte, brachten wir die Saison mit Anstand zu Ende.

Nach einer guten Vorbereitung spielten wir 2012/13 eine super Hinrunde. Nicht zuletzt dank 33 Toren von Dennis Heineke (in 18 Spielen) schien der Titel nur über uns zu laufen. Wie gut unsere Mannschaft wirklich war, sollte sich im neuen Jahr zeigen. Denn aufgrund einer hartnäckigen Schambeinentzündung bestritt Heini nach der Winterpause kein weiteres Spiel für uns. Trotzdem konnten wir am vorletzten Spieltag mit einem 8:1-Sieg beim MTV Bevern nach einer überragenden Saison (u.a. 8:0 gegen Pennigbüttel und 4:3 nach 0:3 gegen den FC Worpswede) die vorzeitige Meisterschaft feiern (66 Punkte und 97:40 Tore).

Die Landesliga-Saison 2013/14 begann furios. 1. Spieltag, 3:0 Sieg bei Eintracht Lüneburg und die Mannschaft stimmte „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Gesänge an. Am 6. Spieltag Anfang September siegten wir sogar 5:0 beim SV Ilmenau. Wir waren mit 9 Punkten im Kampf um den Klassenerhalt voll dabei. Doch es sollte der letzte Dreier der gesamten Saison werden. Wir verloren Spiele verdient, unglücklich, bekamen teilweise heftige Klatschen. Im Herbst holten wir nach 2:0 Rückstand noch einen Punkt bei Eintracht Elbmarsch. Unvergessen: Andi Züges Ausgleich in der 86. Minute, der anschließende Jubel an unserer Bank und der währenddessen wiederanpfeifende Schiedsrichter. Am letzten Spieltag trotzten wir dem Meister und Oberliga-Aufsteiger Teutonia Uelzen 1 Punkt ab: Ein würdiger Abschluss der Landesliga-Saison und meiner eigenen aktiven Spielerzeit. Denn mit Beginn der folgenden Saison wollte ich nur noch als Trainer der Ersten auftreten. Die drei folgenden Jahre standen im Zeichen des Umbruchs. Nicht zuletzt die Platzierungen 10, 6 und 2 zeigen die Weiterentwicklung des Teams. In den ersten beiden BL-Jahren mussten wir aufgrund von Schwächeperioden jeweils auch nach unten in der Tabelle schauen. So retteten wir uns in der Saison 2013/14 rechnerisch erst am 13. Mai 2014 im Nachholspiel gegen den VfL Visselhövede (Torschütze zum 2:2: Paul Meyer). Ein Jahr später entledigten wir uns durch zwei Heimsiege über Ostern der größten Sorgen. Besonders in Erinnerung ist mir jedoch das 1:1 gegen den TuS Bothel (März 2016) geblieben – lediglich 8 Erste Herren-Spieler standen zur Verfügung. Zusammen mit II. Herren und A-Jgd-Spielern holten wir einen Punkt des Willens. Für die weiteren Spiele entschieden Opi und ich, dass es der Mannschaft in dieser kritischen Phase helfen würde, wenn ich nochmal selbst aktiv auf dem Platz mitwirken würde. Auch in der Rückschau denke ich, dass es die richtige Entscheidung war.

Die aktuelle Saison war über weite Strecken ein toller Ritt. Dass es am Ende nicht mit dem ganz großen Wurf geklappt hat, gilt es zu akzeptieren. Es war trotzdem eine großartige Spielzeit für das Team, den Verein und für mich. Insbesondere wenn man bedenkt wie viele junge, talentierte Spieler wir in den letzten Jahren in die Mannschaft integriert haben.

In den vergangenen 5 Jahren hat kein Spieler die Mannschaft verlassen, um bei einem anderen Verein auf dem gleichen Niveau zu spielen. Ehrlich gesagt bedeutet mir das sehr viel, zeigt es doch, dass sich meine Spieler in der Gemeinschaft der I. Herren immer sehr wohl gefühlt haben.

Ich bedanke mich bei allen Hamberger Zuschauerinnen und Zuschauern sowie allen ehrenamtlichen Helfern für die Unterstützung der Ersten in den vergangenen fünfeinhalb Jahren. Ein besonderer Dank geht an Uwe Müller, Heino Mahnken, Werner Barkowski, Reiner Heineke, Pele Ellmers, Sacha Kortylak, Klaus Heinemeier, Volker Nagel, Darwisch Omar, Norbert Denker, Gero Thiel, Bassam Omar, Kolja Ahrens, Marc Pohl, Franz Wolke, Ronja Treude,  Andi Züge und vor allem und ganz besonders an meine Mitspieler sowie meine Spieler (insgesamt 70 eingesetzte Spieler).

Vor der Saison 2012/13 musste noch die Position des Co-Trainers besetzt werden. Irgendwann kam mir der Gedanke, ob die Aufgabe nicht etwas für Olli Meyer wäre, der zwar aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht mehr selbst voll aktiv sein konnte, aber ein Mannschaftssportler durch und durch war. Olli war zwei Jahre ein hochengagierter Co-Trainer, der das „Gute-Laune-Gen“ in sich trägt. Legendär seine Begrüßung beim ersten Training der Saison 2013/14: „Na, ihr …“. Besonders schön, dass Olli beim Kurzeinsatz im Meisterspiel in Bevern noch sein erstes und einziges Pflichtspieltor für die Erste erzielen konnte.

Thomas Sczypka wechselte nach der LL-Saison 2011/12 von der Spieler- auf die Betreuerposition und blieb dies bis heute. Auch wenn wir teilweise unterschiedliche Auffassungen davon haben, welche verbale Unterstützung von außen das Team weiterbringt, war Schübbi in der ganzen Zeit ein toller Betreuer und die gute Seele der Mannschaft.

Alles, was Jan Horstmann dem Verein als Spieler gerne gegeben hätte, aber aufgrund von viel zu vielen Verletzungen nicht geben konnte, hat er in seinen Funktionen als 3. und 2. Vorsitzender sowie als Teammanager hundertfach übertroffen. Ohne das Engagement der vielen anderen Ehrenamtlichen schmälern zu wollen – Horst hat in den vergangenen 2,5 Jahren außergewöhnlich viel für den Verein (z.B. WM-Pokal in Hambergen) und für die Erste Herren initiiert und geleistet sowie mich bei meiner Arbeit überragend unterstützt. Für mich am Ende noch viel wichtiger, dass aus unserer Zusammenarbeit eine Freundschaft entstanden ist.

Marcel Konoppa und ich spielten ab 2001 insgesamt sieben Jahre gemeinsam für BW Bornreihe und wurden in dieser Zeit Freunde. Er war 2011 neben Torsten Plewa der Hauptgrund für mich nach Hambergen zu wechseln. Zunächst als Spieler, ab 2014 als spielender Co- und ab 2015 als Co-Trainer war Opi sowohl mit seinen fußballerischen als auch menschlichen Stärken ein elementarer Bestandteil der Ersten. Wie oft habe ich an der Seitenlinie schon „Opi, was machen wir?“ gefragt. Nur um kurz danach auf seine Antwort „ja, so machen wir das“ zu entgegnen. Das zeigt beispielhaft wie sehr wir in Sachen Fußball auf einer Wellenlinie liegen. Opi ist ein toller Fußballer, ein überragender Co-Trainer und ein super Typ. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er sich in Zukunft auch mal als Cheftrainer versuchen wird.

Bei allen vier möchte ich mich nochmal ausdrücklich und besonders für die Zusammenarbeit, die Unterstützung und die gemeinsame Zeit bedanken.

Neben allen Siegen, Erfolgen, Niederlagen und Geschichten auf und abseits des Platzes hat mich schon seit jeher das Miteinander mit den Mitspielern bzw. meinen Spielern fasziniert. Ich habe mich in 19 Jahren Herren-Fußball in jeder meiner Mannschaft wohl gefühlt und hatte immer tolle (Mit-)Spieler, die den Fußball für mich erst so besonders gemacht haben. Denn Fußball ist für mich immer mehr als das Spiel selbst gewesen. Das Sportliche ist das Wichtigste, aber um auf dem Platz als echte Einheit auftreten zu können, ist das Drumherum fast genauso wichtig. Entsprechend gibt es natürlich auch hunderte Geschichten von Busrückfahrten, Kabinenpartys, Sieges-, Meister- oder Abstiegsfeiern, Erntefesten, Teamabenden, Abschlussfahrten und vielen anderen Begebenheiten dieser Art. Ohne diese wäre es nicht dasselbe gewesen, wäre die Zeit nie so groß und nie so bedeutend gewesen.

Bevor ich zum Schluss komme, geht noch ein großes Dankeschön an meinen wichtigsten Trainer überhaupt: meinem Vater Willi, der mich von der F-Jugend bis zur B-Jugend 10 Jahre trainierte und so den Grundstein für alles legte, was danach kam.

Ich freue mich auf die kommende Zeit, bin sehr gespannt wie es ohne Fußball (außer ab und zu Alte Herren) sein wird und sage zum Abschluss nochmal Danke FC Hambergen für 5,5 tolle Jahre. Ich werde zwar auch immer ein Moorteufel bleiben, aber definitiv genauso ein Zebra.

 

Euer Christian

 

 

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Notes

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  • Termine 2017/18 zum vormerken!

    2./03.12.17: Hamberger Weihnachtsmarkt
    30.12.2017: Vereinsinternes Hallenturnier
    12.01.2018: Jahreshauptversammlung (Gasthaus Arps)
    20.01.2018: B&O Cup
    27.01.2018: Vereinskohlfahrt